Crowdsourcingblog: Wer steht hinter Startnext?
Startnext: Die Idee zu Startnext hatten Denis Bartelt (CEO) und Tino Kreßner (COO). Denis Bartelt ist Geschäftsführer der Softwareagentur tyclipso.net und Tino Kreßner arbeitete bis dahin als Geschäftsführer einer Online Kommunikationsagentur und hat mit dem Spielfilm unter Filmtrip.de die erste Film 2.0 Produktion Deutschlands realisiert. Wir sind ein Team von 7 engagierten Mitarbeitern. Hinter uns steht aber noch mit tyclipso.net ein etwa 15-köpfiges Team für die technische Realisierung der Seite.

Crowdsourcingblog: Wie ist die Idee entstanden bzw. aus welcher Motivation heraus habt ihr Startnext gegründet?
Startnext: Crowdfunding beinhaltet die Dynamik der Menge an vielen Unterstützern. Tino hat als Produzent des Filmprojektes „Mitfahrgelegenheit“ die Kraft der Internet Community erfahren. Zusammen mit seinen Mitstreitern entwickelte er hierfür filmtrip.de und der erste Film 2.0 war geboren. Das Publikum konnte sich noch während der Produktionsphase aktiv in allen Phasen der Filmentstehung beteiligen. Die so geschaffene Community konnte die No-Budget Produktion so in die deutschen Programm-Kinos bringen. Denis Bartelt recherchierte parallel dazu für die Plattform seedmatch.de bei der es um die Finanzierung von Startups durch Mikro-Business-Angels gehen sollte. Als beide zusammen kamen, war im September 2009 die Idee zu startnext. geboren.
Wer im Bereich Kunst und Kultur arbeitet, muss sich früher oder später mit Förderanträgen auseinandersetzen. Doch die öffentlichen Gelder werden knapper – dabei werden ca. 90% der Kulturausgaben durch die öffentliche Hand übernommen. Crowdfunding bietet die Möglichkeit den Bürger bei der Gestaltung seiner eigenen Kulturlandschaft mitgestalten zu lassen. Zudem ermöglicht die Integrierung des Publikums, eine stärkere Bindung an das Projekt und die Chance begeisterte Weiterempfehler zu schaffen. Die persönliche Empfehlung ist in unserer informationsüberfluteten Welt eine starke Währung. Für den Unterstützer besteht hier die Chance mit Künstlern in Kontakt zu kommen und exklusive Dankeschöns zu erhalten- Dinge, die sie so nie im Laden kaufen könnten.
Crowdsourcingblog: Was unterscheidet Euch von anderen Anbietern und Plattformen? Bzw. inwiefern musstet ihr euch von Vorbildern wie Kickstarter differenzieren, um euch dem Deutschen (Europäischen) Markt anzupassen?
Startnext: Auf US-amerikanischen Plattformen wie Kickstarter oder Indiegogo scheint Crowdfunding sehr gut zu funktionieren. Hier sieht die Kulturförderlandschaft allerdings ganz anders aus: Der Staat stellt so gut wie keine Mittel für Kunst und Kultur bereit. Also geht man hier eher an die Öffentlichkeit und wirbt für sein Projekt. Mit Erfolg: Nicht selten werden Projekte mit Finanzierungshöhen zwischen 10.000 und 100.000 US$ finanziert. Mit Startnext wollten wir eine ähnliche Plattform aufbauen, die aber auf das deutsche Förder- und Vereinssystem ausgerichtet ist und auf die hiesigen Finanz- und Rechtsstrukturen beachtet. Jetzt können auch deutsche Künstler und Kreative über die Plattform ihre Projekte finanzieren lassen, durch Freunde, Fans und Interessierte, aber auch Firmen, die die Plattform für ihr Kultursponsoring nutzen können.
Als Besonderheit haben wir den Crowdsourcing Ansatz als einzige Plattform in Form unserer Startphase mit integriert. Hier können Kreative bei der Ausgestaltung ihres Projektes die Crowd um Unterstützung fragen. Schon vor der Finanzierungsphase kann so Feedback von Freunden, Fans und Bekannten eingeholt werden und gemeinsam an dem Projekt gearbeitet. Auch haben wir einen sozialen Motor mittels dem Crowdfonds eingebaut. Erfolgreiche Projekte unterstützen wiederum neue Projekte. 5% der erfolgreichen Fundings werden in einem Fonds gesammelt und an spannende und neue Projekte in Form von Aktionen ausgeschüttet. Wir sind weltweit die einzige Plattform die komplett ohne Transaktionskosten arbeitet. Alle integrierten Paymentsysteme sind komplett kostenfrei. Bei Plattformen wie kickstarter.com fallen hier bis zu 5% nur für die Paymentpartner ab. Weitere Alleinstellungsmerkmale sollen vor allem in diesem Jahr noch ausgearbeitet werden.

Crowdsourcingblog: Welche Besonderheiten seht ihr für den Deutschen Crowdsourcing Markt? Wir sind ja noch etwas im Rückstand gegenüber beispielsweise den USA – wie schätzt ihr die Entwicklung in den nächsten Jahren ein und welche Einflüsse sind da entscheidend?
Startnext: Crowdsourcing muss als Kampagne begriffen werden, die sorgfältig geplant werden muss und mit verschiedenen anderen zur Verfügung stehenden Kanälen wie Soziale Netzwerke, eigene Website, bereits bestehende Pressekontakten usw. verknüpft werden sollte. Die Community muss aktiviert werden. Auf den amerikanischen Plattformen sieht man, dass die Projektinitiatoren bereits sehr professionell um Unterstützung aufrufen. In Deutschland müssen viele Künstler noch lernen sich selbst zu vermarkten. Aber der Erfolg der Projekte auf Startnext, die sich um Ihre Crowd bemühen, und damit erfolgreich sind, werden immer mehr.
Ein nicht zu vernachlässigendes Hemmnis ist die Rechtssituation und der Umgang mit Datenschutz. Deutsche sind hier sehr kritisch und auch beim Crowdfunding werden Fragen nach dem Rechteinhaber der Idee laut, der diese als erstes mittels einem Projekt präsentiert hat. Erfindungen und Unternehmen werden es auch so zukünftig schwer haben Crowdfunding in einer frühen Phase zu nutzen, leider.
Für den Erfolg von Crowdfunding ist die Akzeptanz von Onlinepayment entscheidend. Nicht alle Bezahlmethoden sind geeignet fürs Crowdfunding, weil hier entweder hohe Paymentgebühren entstehen (z.B. Kreditkarte) oder die Gefahr von Rücklastschriften sehr hoch ist (Lastschrift). Daher haben wir mit unseren Partner der Fidor Bank und FidorPay ein völlig neues System im Einsatz, was alle Anforderungen an das Crowdfunding perfekt abbildet. Hier muss man sich neu anlegen und einen Account eröffnen, was für viele Unterstützer ein Problem darstellt.
Crowdsourcingblog: Vielen lieben Dank für das Interview!




Endlich habe ich sie gefunden! Eine Crowdfunding-Plattform auf Deutsch :)
Gibt es bald noch mehr Informationen über startnext?
Ah sorry, du bist ja von Startnext :). Wir melden uns mal bei euch …
Hey Tino,
danke für die Infos. Bist du bei einer dieser Plattformen aktiv?
Wir suchen nämlich gerade Beratung zum Thema Steuern und könnten uns nicht so richtig entscheiden, welche Plattform wir nun nehmen sollen.
Grüße,
Edgar
Hallo Edgar,
hierzu meine 5 Punkte aus der Erfahrung … grundlegend kannst du auch ein Projekt auf amerikanischen Plattformen eröffnen … meist hat es sich gezeigt, dass dt. Projekte auf einer amerikanischen Plattform mit deutscher Zielgruppe nicht erfolgreich wurden.
1. Thema Kontoinhaber: je nach Plattform wird das Geld treuhänderisch verwaltet durch die Plattform oder liegt bereits auf einem Konto für den Initiator bereit (-> hierfür muss der Initiator ein Konto eröffnen, was meist nur im eigenen Land ohne weitere Probleme möglich ist)
2. Thema Förderungen: Das Einbringen von externen Förderungen (Kulturstiftung, FFA, JFE, …) ist meist auf internationalen Plattformen nicht möglich
3. Thema Verein: Die Eigenarten von Vereine: Spendenfähigkeit bei Nachweis einer Spendenfähigkeit wird meist auf internationalen Plattformen nicht beachtet.
4. Thema Steuern: 0%, 7%, 19% für Deutschland -> hier können deutsche Plattform beraten bereits bei der Budgetfindung.
5. Thema Datenschutz: Umgang der Daten der Unterstützer und Initiator nach dt. Datenschutzrichtlinien -> schafft bei Geldgebern mehr vertrauen
Grüße,
Tino
Kurze Frage zum Artikel:
Es wird mehrmals auf die besondere Rechtssituation in Deutschland hingewiesen. Könnte dies näher erläutert werden? Warum sollten
deutsche Projekte nicht Kickstarter oder Indiegogo nutzen?
Danke!
Danke Ibo – bis Mitte April dann
Gutes Interview. Viel Glück euch beiden.