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Digitale Arbeitswelten: Prozesse & Professionen im Wandel

Wir leben im Zeitalter des Zugangs. Globale Netzwerke ermöglichen den Zugang zu Informationen, Wissen, Meinungen, Arbeit, Expertentum, Ideen und Kapital. Eine zentrale Rolle in diesem Konstrukt spielt Crowdsourcing, und zwar als Set von Prinzipien, Prozessen und Plattformen zur Steuerung von offenen Arbeitsprozessen. Dies schließt nicht nur die (mitunter globale) Ausschreibung der Projekte sondern auch die Auswertung und Aggregation der Ergebnisse mit ein.

Bild: Flickr Creative Commons (by lickmypunkass)

Durch kollaborative Kreativ-Wettbewerbe, Wissens- und Ideensammlungen, Bewertungen oder Vorhersagen wird ein besserer Ergebnis erzielt, als wenn sich Individuen diesen Aufgaben annehmen würden. Durch massiv verbesserte technische Möglichkeiten auf der einen und erhöhten Effizienzdruck auf der anderen Seite, wird die Nutzung von Crowdsourcing immer attraktiver für Unternehmen und Institutionen. Die steigende Nachfrage nach Crowdsourcing Services und Produkten basiert dabei auf folgenden Prinzipien:

  • Das grundlegende Wesen der Arbeit wandelt sich. Der Komplexitätsdruck und die Anforderungen an technische und soziale Kompetenzen steigen.
  • Moderne Kommunikations-Technologien fördern den fließenden Übergang von Arbeit und Freizeit.
  • In der Wissens- und Kreativ-Ökonomie werden Produkte ersetzt durch Ideen und Innovationen und Informationen.
  • Damit werden auch Arbeitszeiten und Löhne eine flexibler. Humankapital wird infolge dessen NOCH wertvoller.
  • Alte Wertschöpfungsketten weichen auf. Der Konsument greift mitunter sogar in diese ein.

 

Insbesondere Web- 2.0-Mechanismen ermöglichen und fördern die Vernetzung – mit durchaus weitreichenden Folgen. Die Entstehung globaler Plattformen und Kommunikationsnetze ermöglicht den Zugriff auf eine größere und diversere Crowd – eine gigantische „global Workforce“, die das intellektuelle Kapital verschiedenster Kulturkreise in sich vereint. Neue Technologien und Kommunikationssys­teme ermöglichen überhaupt erst das Aufteilen von Tasks oder ganzen Arbeitsabläufen. In den vergangenen Jahren ist durch die Entstehung neuer Benutzerschnittstellen, Micropayment-Lösungen, Flatrates, Cloud-Services sowie die zunehmende mobile Internetnutzung eine digitale Infrastruktur entwickelt, deren logische Folge ein virtueller Workspace ist.

The Rise of Crowdsourcing: Entwicklung & Treiber eines globalen Phänomens

Der Begriff Crowdsourcing wurde im Jahr 2006 erstmals von Jeff Howe in einem Wired Artikel erwähnt. Seitdem hat er sich mehr und mehr etabliert und Begriffe wie ‚Schwarmauslagerung’ in den Hintergrund gedrängt. Bei Howe’s Wortneuschöpfung handelt es sich um einen Neologismus, der sich aus ‘Crowd’ und ‘Outsourcing’ zusammensetzt. Der Prozess ist eng verwandt mit Web Phänomenen wie der Open Source Bewegung oder User Generated Content (UGC) und beschreibt die Auslagerung von Arbeits- und Kreativprozessen und gleichermaßen die Einlagerung von Wissen, Kapital und Zeit (aus der Crowd) in ein Unternehmen oder eine Organisation. Crowdsourcing hat verschiedene Unterkategorien, unter anderem:

  • Crowdfunding (die Community finanziert gemeinsam ein Projekt)
  • Co-Creation (die Community erschafft gemeinsam ein kreatives Werk)
  • Mircroworking (die Community erfüllt kleinere (Teil-)Aufgaben wie z.B. Adressrecherchen, die final wieder zu einem Gesamtergebnis zusammengesetzt werden)

 

Crowdsourcing wurde und wird erst durch bestimmte (in erster Linie technische) Voraussetzungen und Weiterentwicklungen überhaupt möglich. Der wohl wichtigste ‚Enabler’ ist dabei der immer schneller stattfindende digitale Fortschritt. Insbesondere Web 2.0 Mechanismen fördern die Vernetzung von Usern und die Entstehung von Crowdsourcing-Communities. Auch die Nutzung von Online- und Micropayment-Modellen ist essentiell für viele Ausprägungen von Crowdsourcing Diensten.

Organisationsstrukturen im Wandel

Es entstehen auf diese Weise neue Organisationsstrukturen, die eher einem belebten Bazar entsprechen, als einer hierarchischen Struktur. Die Entstehung globaler Plattformen und Kommunikationsnetze ermöglich in diesem Zusammenhang den Zugriff auf eine größere und diversere Crowd – eine gigantische ‚global Workforce’, die das intellektuelle Kapital verschiedenster Kulturkreise in sich vereint. Neben den Veränderungen, die auf technischer Ebene geschehen, ist auch auf ökonomischer und gesellschaftlicher Ebene entsprechender Wandel zu beobachten. Zum einen befördert dieser Wandel die Online-Auslagerung von Aufgaben und Kreativprozessen, auf der anderen Seite wird er durch Crowdsourcing weiter vorangetrieben. Man kann durchaus sagen, die Entwicklungen bedingen sich gegenseitig.

Demokratisierung und De-Industrialisierung

Zum Beispiel erfährt die ehemals zentral gesteuerte Produkthoheit einen Wandel: einst passive Konsumenten werden zu ‚Prosumenten’ und bringen nun aktiv ihre Bedürfnisse und Wünsche ein. Ein Phänomen, das bereits 1980 von Futurist Adam Toffler in seinem Buch ‚The Third Wave’ vorhergesagt wurde. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Aspekt: Durch digitale Plattformen müssen Arbeitsabläufe und Aufgaben weniger zentral verwaltet und gesteuert werden. Vielmehr kann sich die Crowd nun zum Teil eigenständig vernetzen und organisieren.

Mehr Transparenz und Wettbewerb

In einer digitalen Lebenswelt ist Transparenz gefragter denn je. Auffindbarkeit im Web, über Foren und Reviews liefern Informationen zu Unternehmen und Institutionen, zu Produkten und Personen. Dieser ungehinderte Informationsfluss wird mehr und mehr vorausgesetzt – wer nicht mitmacht könnte gar etwas zu verbergen haben. Um sich mit dem Rest der Online Gemeinde zu messen werden entweder Badges, Reviews, Freunde, Likes, Follower, etc. gesammelt.

Mehr Work-Life Integration

Daneben werden Themen wie ‚Work Life Integration’ immer wichtiger im Kontext des modernen Arbeitens. Menschen sind bereit mehr von zu Hause oder unterwegs zu arbeiten. Dieser Trend geht einher mit einer zunehmenden Mobilität der Arbeitsplätze, sprich sie sind nicht nur bereit sondern auch ganz praktisch in der Lage. Laptops und Smartphone, sowie verbesserte Datenspeicherung und Vernetzung erlauben es klassische 9 to 5 Job-Strukturen aufzuweichen. Arbeit ist längst nicht mehr ein Ort, an dem man morgendlich zu erscheinen hat. Verbesserte Bedienbarkeit und Informationsfilterung gewinnen in solch einem mobilen Umfeld massiv an Relevanz. Zeitgleich damit steigt die Bereitschaft zur Beteiligung. Nutzer tragen gerne zur Verbesserung einzelner Services bei, wenn sie denn am Ende selbst von der besseren Benutzerführung profitieren. Diese neue Denkweise ist ein Wegbereiter für jegliche Crowdsourcing Mechanismen.

Das neue Hyperexpertentum

Es zeichnet sich zudem ab, dass sich die Profile der Leistungserbringer weiter festigen und vertiefen, als das noch vor wenigen Jahren der Fall war. Es ist in vielen Fällen wirtschaftlicher, sich eine bestimmte Nische zu suchen und (z.B. über spezielle Crowdsourcing Plattformen) nur noch nach Aufgabenfeldern zu suchen, die zum eigenen Profil passen – bzw. sich idealerweise einfach dort von Auftraggebern finden zu lassen. ‚The Age of Hyperspecialization’ titelt vor einigen Monaten die Harvard Business Review und spricht in einem Zuge von einer ‚Division of Labor’, einer Aufspaltung von Aufgabengebieten also, die zuvor noch als ganzes behandelt wurden. Als Grund wird auch hier die fortschreitende Entwicklung der Kommunikations-Technologie genannt. Aber auch die Tatsache, dass Arbeit zunehmend wissensbasiert vollzogen wird. Diese hochgradig effizienzgetriebene Entwicklung hat laut der Harvard Experten Vorteile im Hinblick auf Kosten, Qualität und Zeit – die Arbeitnehmer profitieren zudem von der Möglichkeit, frei über die Annahme von Aufträgen und entsprechende Zeiteinteilung entscheiden zu können. Um die Aufgabenteilung zu definieren und die gelieferten Teil-Tasks wieder zu einem Gesamtergebnis zusammenzusetzen braucht es zusätzlich zu den Hyperexperten verschiedenster Fachrichtungen aber auch eine neue Art von Intermediären mit entsprechenden Fähigkeiten.

Weitere Informationen: Crowdsourcing Report 2012

 

 

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