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OpenStreetMap im Einsatz für den öffentlichen Personenverkehr – ein Interview mit Marcel Hövelmann

05.06.2012, 17:37 Aktuelles, Interviews Nora Burgard

Im Jahr 2004 ist OpenStreetMap gestartet und mittlerweile werden die OpenSource-Informationen auch verstärkt im Bereich des öffentlichen Personenverkehrs genutzt. Ich habe mit Marcel Hövelmann gesprochen, dem zuständigen OSM- Mitarbeiter des Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS).

Nora: Seit wann wird OpenStreetMap für den öffentlichen Personenverkehr eingesetzt?
Nachdem OpenStreetMap im Jahr 2004 gestartet war, zeigte sich schnell, dass in den Anfangsjahren der Datenerfassung vor allem die Eisenbahnlinien schon verstärkt gemappt wurden. In den letzten Jahren wurde – regional unterschiedlich – das ÖPNV-Mapping auch immer stärker verfeinert, so dass in vielen Bereichen auch die Bus- und Haltestellennetze schon hochgradig abgebildet sind. Vor allem mit der Visualisierung auf speziellen Themenkarten wurde das ÖPNV-Mapping nochmals gepusht. Aktuell erkennen auch die ersten deutschen Verkehrsunternehmen und -verbünde den Mehrwert der Verwendung der OpenSource-Informationen von OpenStreetMap. Dies reicht von der Nutzung von OpenStreetMap als Hintergrundvisualisierung bis hin zur Anwendung in unterschiedlichen Kundenserviceangeboten.

Nora: Wie läuft diese Zusammenarbeit ab?
Die Kommunikation mit der lokalen OSM-Community ist das A und O einer produktiven Zusammenarbeit. Es muss deutlich kommuniziert werden, welche Informationen in OSM benötigt werden, damit daraus dann attraktive Dienst- oder Serviceangebote für die ÖPNV-Nutzer generiert werden können. Ferner ist es auch für Mapper und Verkehrsunternehmen bzw. -verbünde von Vorteil sich gegenseitig zu kennen und so gemeinsam die heterogenen Fragestellungen von beiden Seiten zu lösen. Nur so war es z.B. auch möglich, alle Haltestellen innerhalb des VRS mit wichtigen Zusatzinformationen durch einen “halbautomatischen” Prozess in die OpenStreetMap-Datenbank zu integrieren.

Nora: Was ist Ihre genaue Aufgabe?
Ich sehe mich als Schnittstelle zwischen OSM-Mappern und -Aktiven sowie den offiziell vorliegenden ÖPNV-Daten. Im VRS wurde als erstem deutschen Verkehrsverbund im Jahr 2010 eine Datenbereitstellung für OSM zugestimmt. Damit bin ich auch zum ersten Ansprechpartner für die interessierte OSM-Community beim VRS geworden und versuche die Integration und Nutzung von OSM-Daten intern sukzessive voranzubringen.

Nora: Worin sehen Sie den Vorteil für die öffentlichen Verkehrsmittel?
Informationen zu Haltestellenpositionen und Linienverläufen stellen keinen “goldenen Schatz im Keller” dar, sondern müssen zur Stärkung des ÖPNV einer möglichst großen Gruppe an Empfängern zur Verfügung gestellt werden. Dadurch, dass die ÖPNV-Daten gemeinsam von der lokalen Community und dem VRS “im Auge behalten werden”, liegt in OSM stets eine gute qualitative Grundlage an ÖPNV-Informationen vor, die von OpenStreetMap ausgehend produktiv von Dritten verwendet werden kann. Der zweite große Vorteil liegt in der eigenständigen Bearbeitbarkeit der Karte. Innerhalb kurzer Zeit können flexibel Anpassungen vorgenommen und “scharf geschaltet” werden. Dies ist z.B. bei der Nutzung von kommerziellen Karten in diesem Umfang nicht möglich.

Nora: Was sind die Herausforderungen?
Die kontinuierlichen Änderungen im ÖPNV durch Linienwegsänderungen etc. in der OpenStreetMap-Datenbank möglichst genau abzubilden, ist sicherlich eine Aufgabe, die aufgrund der Gebietsgröße auch im VRS noch nicht zu 100% gelöst wurde. Hierzu gilt es zukünftig noch einige technische Herausforderungen anzugehen, die vor allem eine Effizienzsteigerung im Datenaustausch und der Qualitätskontrolle ermöglichen. Darüber hinaus ist die Community der OSM-Mapper auch sehr dynamisch, so dass der Austausch mit “Neueinsteigern” als auch “alten Hasen” nur selten in einem Atemzug erfolgen kann.

Nora: Was ist Ihre Zukunftsprognose?
OSM-Daten werden in Zukunft die wesentliche Basis in der thematischen Kartenvisualisierung darstellen. Die Erfolgsgeschichte von OpenStreetmap sehe ich identisch positiv wie z.B. schon momentan die Nutzung von Wikipedia. Gegenwärtig und in den kommenden Jahren werden auch innerhalb des VRS neue Projekte stets mit OSM-Bezug geplant. Hierbei geht es stets sowohl um den In- als auch um den Output von Informationen.

Nora: Vielen herzlichen Dank für das Interview!

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