Vor einigen Tagen ging ein Crowdsourcingprojekt der etwas anderen Art zu Ende: Die Crowd war aufgerufen, Ideen für Unternehmen und Organisationen ihrer Wahl zu produzieren – ohne dass diese danach gefragt haben. Thema und Anwendungsbereich der Idee waren dabei völlig offen: Produktinnovationen, Marketingkonzepte, Organisationsvorschläge oder Inputs zu Service und Qualität – die Crowd hat bestimmt, in welchen Bereich Unternehmen Ideen vertragen könnten. Den Unternehmen war – eher untypisch im Crowdsourcing – für einmal eine gänzlich passive Rolle zugedacht: Sie bekamen Antworten auf Fragen, die sie nie gestellt hatten.
Schon die Fragestellung kann betriebsblind sein.
Wieso ein solcher Rollentausch? Einer der grossen Vorteile von Crowdsourcing ist, eine Aussensicht in die Organisation zu bringen und Ideen zu erzeugen, auf die man intern nicht gekommen wäre – oder anders gesagt: für einmal die interne Brille abzulegen und frei von jeder Betriebsblindheit Anregungen zu bekommen. Das Problem dabei: Oftmals sind schon die Fragen, die gestellt werden, geprägt von der eigenen Befangenheit. Vielleicht werden verzweifelt Marketingideen gesucht, um den Absatz anzukurbeln – und in Wirklichkeit fehlt es an Produktinnovationen. Vielleicht werden Ideen zur Optimierung des Vertriebsprozesses gesucht, wo eigentlich Anregungen für eine neue Organisationsstruktur nötig wären. So etwas kann vorkommen, wenn man als Insider selbst zu tief im Problem steckt. Und so kommt es, dass die Crowd nicht nur die besseren Antworten liefert, sondern manchmal auch die besseren Fragen stellt. Und deshalb dieser Projektsetup.
Breite Ideen, kreativ bebildert.
Was ist nun bei diesem Projekt herausgekommen? Die User der Plattform haben zunächst einmal zurückhaltend reagiert – als wolle man schauen, wie genau eine solche „gute Idee für ein Unternehmen“ aussehen könnte. Nach den ersten eingegangenen Ideen ging’s flüssiger aber vorwärts, ohne dass dabei gerade Dämme gebrochen wären: 11 der gut 240 registrierten User der Plattform (das entspricht knapp 5%) beteiligten sich aktiv am Projekt. Sie stellten 40 Ideen jeglicher Couleur – von Produktideen über Marketingimpulse hin zu neuen Logos – ein, die Nch lebhafter Diskussion auf der Plattform an 18 verschiedene Unternehmen weitergeleitet wurden. Neun davon – 50% also – haben auf diesen Input reagiert, eine Idee wurde direkt umgesetzt. Häufiges Feedback der Unternehmen: diese oder eine ähnliche Idee war bereits vorher vorhanden, wurde diskutiert – und verworfen. Drei der Unternehmen bedankten sich mit einer Spende an die Partnerorganisation.
Immerhin: die Welt verändert.
Welche Lehren können aus dem Projektsetup gezogen werden? Zunächst einmal: Das Projekt hat – in einem bekannten Fall und mögliche weiteren – zu Umsetzungen geführt und damit die Welt ein Stück verändert. Aber: Das Projekt hat die Crowd noch nicht im gewünschten Ausmass mobilisiert. Die Gründe dafür sind verschieden – der Wesentlichste dürfte eine natürliche Hemmschwelle sein, als Outsider „ungefragt“ in fremde Organisationen hineinzureden. Entsprechend regten die User der Plattform in der anschliessenden Forumsdiskussion auch an, die Verbindlichkeit auf beiden Seiten – bei Unternehmen und Crowd – zu erhöhen: Explizites Einladen der User in die Projektgruppe und vorgängiges, einvernehmliches Festlegen der teilnehmenden Unternehmen schafft auf beiden Seiten eine klare Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Und das erhöht zweifellos auch Reaktions- und Umsetzungsquoten, weil gegenseitige Erwartungen, Spielregeln und nicht zuletzt die Zuständigkeit für die Entgegennahme der Ideen bereits im Vorfeld geklärt ist.
Weitere Verbesserungsmöglichkeit: Die völlige Offenheit der Fragestellung hat Kreativität möglicherweise eher verhindert, statt sie zu fördern. Was deshalb von Nutzen sein könnte: eine Strukturierung der möglichen Fragestellungen in Themenbereiche, aus denen der Ideengeber ausgewählen kann.
Was sicherlich unverändert bleiben sollte: Die mit Ideen bedachten Unternehmen wurden eingeladen, eine Spende in Höhe von 100 Franken an ein Hilfsprojekt zur Integration von Behinderten in den Arbeitsmarkt zu tätigen. Auf diese Weise kamen immerhin 700 Franken zusammen. Grund genug, ein solches Projet zu wiederholen – und dabei noch ordentlich aufzubohren.
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Eckdaten des Projekts:
Durchführende Plattform: open management network (www.omanet.ch)
Auftraggeber: Gesellschaft für Management-Innovation mbH, CH-Riehen/BS
Projektlaufzeit: 5. März 2012 bis 15. April 2012 (Eingabephase), Projektabschluss 31. Mai 2012
Partnerprojekt: die Charta – Arbeit für Menschen mit Behinderung (www.diecharta.ch)
Crowdsourcing umgekehrt...,



