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Crowdfunding als „Social proof of concept“

24.07.2012, 09:59 Aktuelles, Hintergründe & Entwicklung, Interviews Torsten Schreiber

Die Plattform BLOOMY DAYS ist als deutschlandweites Schnittblumen Abonnement ein bislang eher untypisches Start-Up auf deutschen Crowdinvesting Plattformen. Ende Juni hat das Team erfolgreich 100.000 auf Seedmatch eingesammelt – das haben wir zum Anlass genommen, mit der Gründerin Franziska Scheidel über ihre ganz persönlichen Erfahrungen und Eindrücke zu sprechen.

Torsten: Wie war damals eure allgemeine Situation im Vorfeld zum Seedmatch-Funding? (Was waren zu der Zeit eure Pläne?)

Franziska: Ich habe das Unternehmen aus eigenen Mitteln aufgebaut und finanziert. Allerdings war von vorne hinein klar, dass wir eine Finanzierung benötigen werden um unser Marketing aufzubauen, Mitarbeiter einzustellen und mit BLOOMY DAYS richtig durchstarten zu können.

Torsten: Wie habt ihr damals euren Finanzierungsbedarf eingeschätzt?

Franziska: Wir haben einen Finanzierungsplan erstellt, an Hand dessen sich der Finanzierungsbedarf ergeben hat.

Torsten: Wie seid ihr auf Crowdinvesting aufmerksam geworden?

Franziska: Über einen Freund, der selbst junger Unternehmer ist und seedmatch kannte.

Torsten: Standen für euch neben Crowdfunding noch andere Finanzierungsoptionen im Raum?

Franziska: Wir haben mit dem Gedanken einer Bankfinanzierung gespielt. In Deutschland ist es nur leider sehr schwer Banken von jungen, neuen Geschäftskonzepten zu überzeugen die noch keinen Proof of concept haben. Somit war das Crowfunding für uns perfekt.

Torsten: Was waren eure konkreten Kriterien, Anforderungen und Wünsche an Finanzierungsoptionen und Finanzierungspartner?

Franziska: Wir fanden den Gedanken daran nicht nur Geld einzusammeln sondern auch noch ein viele Menschen anzusprechen und Unterstützer zu finden spannend. Wir wünschen uns, dass viele unserer Mikro-Investoren im Bekanntenkreis von BLOOMY DAYS erzählen und dadurch neue Abonnements abgeschlossen werde. Diesen Effekt hätten wir bei einer Bankfinanzierung nicht gehabt.

Torsten: Was war am Ende ausschlaggebend für die Entscheidung mit Seedmatch zusammenzuarbeiten?

Franziska: Durch die Crowd konnten wir einen echten „Social proof of concept“ schaffen und haben viel Aufmerksamkeit bekommen. Diesen Effekt haben wir uns erhofft und erfreulicherweise ist er auch eingetreten.

Torsten: Welche Anforderungen bzw. Kriterien Crowdfunding allgemein und im speziellen an euch gestellt?

Franziska: Man muss das Geschäftskonzept umfassend und transparent darstellen. Zudem handelt es sich meist um Privatpersonen, die sich zum Teil weniger gut in der Welt der Start-Ups auskennen. Ich fand es wichtig, dass wirklich jeder das Modell BLOOMY DAYS versteht und auch weiß worein er investiert.

Torsten: Wie habt ihr die Zeit von der ersten Kontaktaufnahme mit Seedmatch bis zum erfolgreichen Finanzierungsabschluss erlebt?

Franziska: Vom ersten Treffen bis zum erfolgreichen Funding haben wir die Zusammenarbeit als sehr positiv empfunden. Es gab einen regen Austausch und alle Mitarbeiter von Seedmatch sind wirklich sehr engagiert und zuverlässig.

Torsten: Ist alles so abgelaufen wie ihr euch das vorher konkret vorgestellt habt?

Franziska: Ehrlich gesagt noch besser. Wir können am gesamten Prozess nichts aussetzen, alles ist sehr gut gelaufen.

Torsten: Wie lief der Funding-Prozess im Detail ab und wie viel eurer Zeit hat er im Einzelnen beansprucht?

Franziska: Ich hatte einen 80 seitigen Businessplan mit vielen Bildern, der auf das Format und die Ansprüche von seedmatch angepasst werden musste. Außerdem haben wir viel Mühe in das Video gesteckt, welches wir selbst produziert haben. Insofern hatten wir wahrscheinlich einen größeren Aufwand als andere Unternehmen, dieser lag aber an den eben genannten Punkten. Wenn man das Video z.B. extern produzieren lässt, ist der Aufwand deutlich geringer.

Torsten: Hat sich euer Finanzierungsbedarf gemäß eurer Einschätzung entwickelt und seid ihr zufrieden mit der Finanzierungsform „Crowdinvesting“?

Franziska: Wir sind absolut zufrieden mit der Finanzierung und auch unsere Planung hat sich weitestgehend bestätigt, bzw. liegen wir was den Kundenzuwachs angeht eher über der Planung.

Torsten: Gibt es künftig weitere Finanzierungsrunden?

Franziska: Um wirklich schnell eine relevante Marke aufzubauen, werden wir den Gedanken an eine weitere Finanzierungsrunde nicht ausschließen, da sehr hohe Marketingspendings notwendig sein werden. Momentan sind wir mit dem Geld aus dem Crowdfunding allerdings erst einmal gut aufgestellt.

Torsten: Reported ihr aktuell weiterhin regelmäßig an eure Mikroinvestoren, in welcher konkreten Form, an wen und mit welchem verbundenen zeitlichen Aufwand?

Franziska: Das seedmatch interne Reportingportal wird Anfang August freigeschaltet und gibt uns den perfekten Raum um mit den Investoren zu interagieren. Dort werden auch die Quartalsreportings veröffentlicht und alles was es Neues zum Thema BLOOMY DAYS gibt.

Torsten: Wie wird eure Kooperation mit der Crowdfundingplattform in Zukunft gemäß eurer Pläne weiterlaufen?

Franziska: Durch den eben beschriebenen Investor Relations Kanal werden wir den Kontakt mit unseren Investoren halten und über Neuigkeiten bei BLOMMY DAYS berichten. Dadurch werden wir auch immer weiter mit Seedmatch in Kontakt stehen.

Torsten: Wenn ihr Heute wieder in eurer Situation vor einem Crowdfunding stündet, würdet ihr etwas anders machen? Was würdet ihr euch wünschen?

Franziska: Durch den positiven Verlauf unseres Fundings würden wir im Nachhinein eigentlich nichts anders machen. Das kann man nur natürlich vorher nie wissen. Wir haben unser Bestes gegeben und das können wir nur jedem empfehlen. Man sollte die Crowd ehrlich mit einbeziehen und alles transparent darstellen. Je authentischer man ist, desto mehr Menschen kann man für ein Geschäftsmodell begeistern. Das würde ich potentiellen Crowd-Fundern mit auf den Weg geben.

Torsten: Lieben Dank für das Interview!

 

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